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Zielgruppe: Brandenburger Schüler:innen ab der Sek I 

Zeitraum: August 2026 – Dezember 2028

 

Konzept:

Zwischen August 2026 und Dezember 2028 realisieren insgesamt zehn Klassen aus unterschiedlichen Regionen Brandenburgs eigene Filme und treten mit Zeitzeug:innen aus ihrem Umfeld in den Dialog. In jeweils ca. vier Monaten durchlaufen die teilnehmenden Klassen alle Schritte von der Recherche über Konzeption, Dreh und Schnitt bis zur Premiere.

Der partizipative Ansatz verbindet künstlerische Praxis mit politischer und interkultureller Bildung sowie der Stärkung digitaler Nachrichten- und Informationskompetenzen. 

 

Das Projekt verbindet Filmpraxis, historisch-politische Bildung und Medienpädagogik. Die Jugendlichen recherchieren, führen Gespräche mit Zeitzeug:innen, entwickeln eigene Fragestellungen und realisieren ihre Filme gemeinsam mit professioneller filmischer und pädagogischer Begleitung. So entstehen nicht nur Filme, sondern auch Räume für Reflexion, Selbstwirksamkeit und demokratische Teilhabe.

 

Inhalt und Ansatz

Ausgangspunkt sind Lebensgeschichten aus der DDR- und Nachwendezeit, die über persönliche Erfahrungen und regionale Bezüge zugänglich gemacht werden. Der Ansatz folgt dem Prinzip der Oral History und setzt auf einen respektvollen, offenen Dialog zwischen Generationen, der Klischees und Verkürzungen entgegenwirkt.

 

Die Workshops sind über mehrere Monate in den Schulalltag integriert und verbinden Recherche, Drehvorbereitung, Kameraarbeit, Schnitt und Präsentation. Dabei erwerben die Teilnehmenden nicht nur filmische Kompetenzen, sondern auch Recherchefähigkeit, Teamarbeit, kritisches Denken und den reflektierten Umgang mit Medienbildern.

 

Premiere und Gespräch

Nach Abschluss jeder Produktionsphase werden die entstandenen Kurzfilme im jeweiligen Ort erstmals öffentlich präsentiert – gemeinsam mit einem von den Jugendlichen selbst ausgewählten DEFA-Film. Diese Premieren schaffen einen bewusst kuratierten Rahmen für Gespräche mit Bewohner:innen, Familien, Zeitzeug:innen und lokalem Publikum.

 

Durch die Verbindung von neu entstandenen Jugendfilmen und DEFA-Filmerbe öffnet sich ein Dialograum, in dem historische Erfahrungen, unterschiedliche Perspektiven auf DDR und Transformationszeit sowie Fragen von Identität, Erinnerung und Gegenwart miteinander ins Gespräch kommen. So wird die Premiere selbst zu einem Ort der Begegnung und gesellschaftlichen Auseinandersetzung.

 

Zielgruppen und Nutzung

Das Projekt richtet sich in erster Linie an Schüler:innen ab der Sekundarstufe I, Lehrkräfte und Schulen. Öffentliche Vorführungen und die Einbindung von DEFA-Filmen schaffen zusätzliche Zugänge für Familien, lokale Öffentlichkeiten und Fachpublikum.

 

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der offenen Nachnutzung: Die entstehenden Filme und Begleitmaterialien werden kostenlos zur Verfügung gestellt und damit für Unterricht, außerschulische Bildung, Filmvermittlung und weitere Vermittlungskontexte anschlussfähig gemacht.

 

Ergebnisse und Ausblick

Bis Ende Dezember 2028 entstehen 10 dokumentarische Kurzfilme, pädagogische Begleitmaterialien und weitere digitale Formate, die dauerhaft zugänglich bleiben. Das Projekt zielt darauf, ostdeutsche Perspektiven sichtbarer zu machen, regionale Erinnerungskultur zu stärken und neue, niedrigschwellige Zugänge zu DDR- und Transformationsgeschichte zu eröffnen und das erzählt aus der Sicht von jungen Menschen. Ein wichtiges Zeichen für Kreativität und Teilhabe vor Ort. 

 

Im weiteren Horizont ist das Vorhaben auch auf das Wendejubiläum 2029 bezogen: Die im Projekt entwickelten Filme und Methoden sollen über Brandenburg hinaus in Bildungs- und Kulturkontexte wirken.

Erste Spuren in Brandenburg

Die ersten Projekte von „Herkunftsfilme Ost“ starten im September 2026 an zwei Schulen in Brandenburg:

Schule am Kirschgarten, Bernau bei Berlin
Landkreis Barnim

Die filmische Begleitung der Klasse übernimmt der

Regisseur von Spiel- und Dokumentarfilmen für Kinder und Jugendliche Bernd Sahling.

Oberschule Alexander Puschkin, Neuruppin
Landkreis Ostprignitz-Ruppin

Die filmische Begleitung der Klasse übernimmt die freie Regisseurin und Autorin für dokumentarische Formen

Therese Koppe.

Unter der Schirmherrschaft von Andreas Dresen

© Andre Röhner

Geschichte erzählen

Als ich geboren wurde, war der 2.Weltkrieg knapp 20 Jahre vorüber und das erschien mir wie eine halbe Ewigkeit – längst vergangene Geschichte, nur ein paar Einschusslöcher an den Wänden der Häuser meiner Stadt zeugten noch davon. Der Fall der Mauer ist mittlerweile fast 40 Jahre her und für die meisten jüngeren Menschen muss die DDR noch viel weiter weg erscheinen. Geschichte und ihre Abläufe relativieren sich immer in Bezug auf das eigene gelebte Leben. Aber das versteht man erst, wenn man älter wird.

 

Immer wieder wird in den Debatten darüber gesprochen, dass Ost und West sich angleichen sollen, zusammenwachsen. Aber warum eigentlich? Ist nicht gerade die Verschiedenheit unserer Herkunft ein großer Reichtum? Niemand erwartet ja beispielsweise, dass die Bayern und Norddeutschen zusammenwachsen. Es ist durchaus schön, auch Unterschiede zu pflegen und zu leben. Und es ist natürlich noch schöner, davon zu wissen. Zu wissen, wo man herkommt.

 

Was für eine kluge, sinnliche Idee, dass junge Menschen die Geschichte und Geschichten ihrer Eltern und Großeltern mit der Kamera erkunden. Vielleicht ist es ein ja ein alter Eierbecher aus „Plaste“, an dem sich dann die Erinnerung entzündet, oder Fotos natürlich, eine verblichene Kittelschürze…

 

Vergangenheit lässt sich am besten aus der persönlichen Erfahrung begreifen, aus der direkten Erzählung derer, die dabei gewesen sind. Dann wird sie widersprüchlich und spannend und erschöpft sich nicht mehr nur in den gängigen und oft bedienten Klischees von Opfern und Tätern. Insofern bietet dieses Projekt die riesige Chance, mit Vorurteilen aufzuräumen und hinter die Fassaden zu schauen.

 

Das Medium Film wird den meisten der jungen Menschen dabei natürlich vertraut sein, allerdings als Konsumenten: vom Smartphone, vom Laptop, vom Streamer. Aber leider hat es bisher immer noch nicht Einzug gehalten in die Lehrpläne der Schulen. Zu wissen, wie mit Bildern erzählt werden kann, fördert aber auch einen bewussteren Umgang und schützt vor Manipulation. Das ist ein toller Nebeneffekt dieses Projektes.

 

Es wird spannend, welche Geschichten aus dem kleinen Land hinter der Mauer von einer neuen Generation hier entdeckt werden – ich wünsche dabei ganz viel Spaß und vorurteilsfreie Neugier.

                                                                                                                                    – Andreas Dresen, Filmregisseur und Drehbuchautor

“Herkunftsfilme Ost” ist ein Projekt des Landesverbands Kinder- und Jugendfilm Berlin e. V. (kijufi).
Projektleitung: Claudia Ziegenfuß
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Nine-Christine Müller

Gefördert durch

In Kooperation mit